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Klimawandel

Fotovisionen von Harald Bickel · seit 2017, fortlaufend
Deutschland, Dänemark, Niederlande
 

Die Serie Klimawandel verhandelt in künstlerischer Verdichtung die Transformation der friesischen Insel- und Küstenlandschaften von Dänemark bis in die Niederlande unter dem Einfluss des steigenden Meeresspiegels. Im Zentrum stehen mittelalterliche Kirchen, die als kulturelle und spirituelle Landmarken über Jahrhunderte hinweg Orientierung, Identität und Gemeinschaft stifteten. In Bickels großformatigen Fotovisionen werden sie an die Nahtstellen von Land und Meer versetzt: ins Watt, an den Strand, in Dünen, ins Vorland oder an den Flutsaum. Dort zeigen sie sich als fragile Architekturen einer Zwischenwelt – im Prozess des Überlagertwerdens, des Zuwehens, des Versinkens. Vertraute Bauwerke erscheinen im Übergang, im Schwebezustand zwischen Gegenwart und Verlust.

Die Wahl dieser Bauwerke verweist auf ihre doppelte Verankerung: Sie sind Teil einer kollektiven Erinnerung und zugleich gelebte Orte in der Lebenswirklichkeit der lokalen Bevölkerung. Hier werden Kinder getauft, Ehen geschlossen, Verstorbene verabschiedet. Über Generationen hinweg waren die Kirchtürme weithin sicht- und hörbare Bezugspunkte – für die Bewohner ebenso wie für die Seefahrt. Ihre Verlagerung in die Zwischenzone von Land und Meer macht den drohenden Verlust nicht abstrakt, sondern unmittelbar erfahrbar.

Bickels Bildsprache ist geprägt von einer an die Tradition der Alten Meister angelehnten Lichtführung und Komposition. Gleichwohl legt er in der digitalen Montage Spuren der Konstruktion offen: Brüche, intakte Details oder irritierende Versatzstücke verhindern die Lesbarkeit als Dokument und betonen den Status der Werke als Visionen. Sie eröffnen einen Zwischenraum zwischen Wirklichkeit und Imagination, in dem die Ambivalenz von Schönheit und Bedrohung, Kontinuität und Vergänglichkeit sichtbar wird.

Die Arbeiten entstehen aus der gezielten Verbindung zweier fotografischer Ebenen: einer Landschaftsaufnahme, auf die architektonische Partien der Kirchen als Schicht montiert werden. Durch die behutsame Modellierung von Licht und Schatten verschmelzen beide Ebenen zu einer neuen Einheit, in der das Bauwerk organisch in die Landschaft eintaucht. Entscheidend ist dabei nicht die perfekte Täuschung, sondern das Offenhalten der Brüche – die sichtbare Spur der Montage wird selbst Teil der Aussage. Die Serie sucht dabei nicht nach Ursachen oder Schuldfragen; sie formuliert Visionen, die zur Reflexion mit der Gegenwart einladen und die möglichen Auswirkungen spürbar machen.

Die Motive werden bevorzugt in monumentalen Formaten präsentiert, oftmals bis zu drei mal zwei Meter groß. In dieser Dimension entfalten sie eine immersive Wirkung: Die Betrachtenden stehen den Kirchenruinen nahezu körperlich gegenüber, ihr Maßstab tritt in direkte Relation zum eigenen. Die raumgreifende Präsentation verstärkt die Erfahrung von Präsenz und Verlust zugleich und macht die Visionen in einer Intensität erfahrbar, die über das rein Bildhafte hinausgeht.

Seit der ersten Präsentation im Jahr 2019 hat die Serie in verschiedenen musealen Kontexten Resonanz erfahren, unter anderem im Nordfriesland Museum, im Kulturhaus Mestlin und auf der NordArt. Sie wird kontinuierlich fortgeführt und entwickelt sich zu einem offenen, prozessualen Werk, das den kulturellen Resonanzraum einer durch den Klimawandel bedrohten Region sichtbar macht – und zugleich universelle Fragen nach Verlust, Erinnerung und Zukunft verhandelt.

Klimawandel - Fotovisionen

Die Serie Klimawandel wurde unter anderem in Ausstellungen in Wyk auf Föhr, Nettetal, Coast Prevention Husum, Nordfrieslandmuseum, NordArt 2021, als Kunst am Bau und in zahlreichen Publikationen gezeigt. Die folgende Übersicht zeigt bisher veröffentlichte Motive. 

Weitere Infos zur initialen Ausstellung 2019 …

St. Nicolai, Boldixum

Ausstellung 2019, 300 x 200 cm, Schenkung an die Kirchengemeinde St. Nicolai, Wyk auf Föhr

Kunst am Bau 2020, 360 x 240 cm EilunFeerSkuul, Wyk auf Föhr

Nordfrieslandmuseum 2021, 225 x 150 cm, Dauerleihgabe

Nordart 2021, 300 x 200 cm

Kunsthaus Mestlin 2023, 380 x 260 cm

St. Johannis, Nieblum

Ausstellung 2019, 300 x 200 cm, Schenkung an die Kirchengemeinde St. Johannis, Nieblum

Nordfrieslandmuseum 2021, 225 x 150 cm, Dauerleihgabe

Nordart 2021, 300 x200 cm

Kunsthaus Mestlin 2023, 380 x 260 cm

St Laurentii, Süderende

Ausstellung 2019, 300 x 200 cm, Schenkung an die Kirchengemeinde St. Laurentii, Süderende

Nordart 2021, 300 x200 cm

St. Clemens, Nebel

ausgestellt im Rahmen der Werkschau 2022

Kunsthaus Mestlin 2023, 380 x 260 cm

Sankt Clemens, Rømø

Das erste Motiv aus Dänemark, 2023

Zu sehen erstmals im NDR Bericht vom 17.3.2023

St. Dionysius, Dagebüll

ausgestellt im Rahmen der Werkschau 2022, Schenkung an die Kirchengemeinde Dagebüll

Unserer Lieben Frau, Klanxbüll

Ausarbeitung 2025

Veröffentlichung online

Unserer Lieben Frau, Klanxbüll

ausgestellt im Rahmen der Werkschau 2022, Schenkung an die Kirchengemeinde Klanxbüll

Marienkirche, Alt Horsbüll

ausgestellt im Rahmen der Werkschau 2022, Schenkung an die Kirchengemeinde Horsbüll

Glockenturm, Wyk auf Föhr

Ausstellung 2019, 300 x 200 cm, Schenkung an die Stadt Wyk auf Föhr, hängt im Forum der Eilun Feer Skuul in Wyk

Nordart 2021, 300 x200 cm