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Die Betrachtung der Landschaft

Fotografien von Harald Bickel
Juli und August 2026
Galerie im W.D.R.-Gebäude, Hafen Wyk auf Föhr

Ausstellungsmotive in der Online-Galerie: “Die Betrachtung der Landschaft”

Die Ausstellung zeigt Landschaften Europas. Die Fotografien orientieren sich in Bildaufbau und Lichtführung an Landschaftsdarstellungen der Romantik. Sie arbeiten mit einem klaren Horizont und kontrollierten Bildachsen. Eine einzelne Figur lenkt den Blick der Betrachtenden in die Landschaft hinein. Die Fotografien wirken ruhig und geordnet. Die Bildsprache macht die Landschaft als zusammenhängenden Raum erfahrbar. Gezeigt werden Landschaften Europas, deren heutige Form wesentlich durch menschliche Eingriffe entstanden ist. Wälder wurden in Monokulturen aufgeforstet, Küsten befestigt, Marschgebiete entwässert, Flächen landwirtschaftlich optimiert und Verkehrs- oder Handelsräume dauerhaft gesichert. Viele dieser Eingriffe liegen für uns heute so weit zurück, dass sie längst als selbstverständlicher Bestandteil der Landschaft erscheinen.

Die Küstenlandschaften dieser Serie sind meist technisch und historisch geformte Räume. Deiche, Vorländer und Dünengebiete an der Nordseeküste gehören zu einer Landschaft, die über Jahrhunderte gesichert, befestigt und reguliert wurde. Die Bilder zeigen diese Küsten in ruhigen Wetterlagen und klaren räumlichen Strukturen. Gleichzeitig stehen diese Regionen heute unter dem Druck steigender Meeresspiegel, das Leben im Meer wird durch steigende Wassertemperaturen nachhaltig verändert. Diese Landschaften werden die kommenden Jahrhunderte nicht überdauern, sich extrem verändern oder verschwinden.

Der Harz zeigt angelegte Fichtenbestände, die auf forstwirtschaftliche Nutzung ausgerichtet sind. Die Fotografien zeigen abgestorbene Bereiche neben jüngeren Beständen und offenen Flächen. Das System ist in den vergangenen Jahren kollabiert. An vielen Stellen versucht man nun, die Natur sich selbst zu überlassen, gibt ihr aber durch den fortschreitenden Klimawandel nicht die Zeit zur Anpassung. Parallel dazu zeigen sich auf den ersten Blick naturnahe Wälder in Norwegen, die aber ebenfalls durch Aufforstungen entstanden sind – oft mit eingeführten Sitka-Fichten, die die heimische Vegetation verdrängen und ökologische Probleme schaffen.

Die agrarischen Landschaften der Ausstellung entstehen aus langfristiger menschlicher Ordnung. Felder, Baumreihen, Entwässerungen und offene Nutzflächen prägen große Teile Mitteleuropas. Die Bilder zeigen diese Räume weder als unberührte Natur noch als reine technische Systeme. Sie zeigen Landschaften, deren Erscheinung direkt aus ihrer Nutzung hervorgegangen ist. Diese Form der Bewirtschaftung trägt wesentlich zum Verlust biologischer Vielfalt bei und verändert damit langfristig die Grundlagen der eigenen Nutzung.

Die angelegte Blühfläche in einem urbanen Park in Norwegen innerhalb der Serie steht in diesem Zusammenhang. Solche Flächen im öffentlichen und privaten Bereich entstehen heute häufig als Reaktion auf den Rückgang von Insekten und Pflanzenarten in intensiv genutzten Agrarräumen. Die Wiese erscheint im Bild als dichter, farbiger Landschaftsraum. Ihre Existenz bleibt gleichzeitig an Entwicklungen gebunden, die außerhalb des Bildes liegen und längst Teil europäischer Landwirtschaft geworden sind. Zeiten mit Schwärmen von Insekten und tausenden Schmetterlingen sind aus unserem kollektiven Gedächtnis längst verschwunden.

Auch in weiteren Aufnahmen aus Norwegen oder an den Küstenräumen zwischen Dänemark und Schweden erscheinen die Landschaften nicht als abgeschlossene Naturräume. Aufforstungen, Wege, Küstensicherungen oder jahrhundertelang genutzte Meeresräume prägen ihre heutige Form mit. Meerengen wie der Öresund sind zugleich hoch sensible Verkehrs- und Handelsräume, deren Stabilität zunehmend auch von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen abhängt.

Die wiederkehrende Figur, die Frau des Künstlers, verbindet die Arbeiten miteinander. Sie lenkt den Blick durch die Räume und setzt einen Maßstab innerhalb der Landschaft. Ihre Funktion bleibt bewusst zurückhaltend. Die Bilder konzentrieren sich nicht auf eine individuelle Geschichte, sondern auf die Landschaft selbst und die Schichten hinter dem Sichtbaren.