Überfahrt
Tetraptychon, Fotografie, 2025
Überfahrt besteht aus vier Schwarzweißfotografien, aufgenommen während einer Zugfahrt über die Eiderbrücke bei Friedrichstadt. Die Serie nutzt die spezifische Situation einer Bewegung durch die Landschaft, in der Wahrnehmung nicht stabil, sondern ständig unterbrochen und neu formiert wird.
Die Bilder zeigen eine weit geöffnete Flusslandschaft, deren Kontinuität sich über alle Aufnahmen hinweg behauptet: eine ruhige Wasserlinie, flache Uferzonen, ein breiter Himmel. Gleichzeitig verschieben konstruktive Elemente der Brücke den Blick in jedem Bild auf andere Weise. Diagonale und vertikale Stahlträger treten als harte Einschnitte auf, schneiden Motive ab, gliedern Flächen oder bilden gegenläufige Achsen. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Offenheit und struktureller Blockade.
Die Serie arbeitet mit der Gleichzeitigkeit zweier Ordnungen: der linearen, horizontal verlaufenden Landschaft und der technisch bestimmten Tektonik der Brücke. Die beiden Strukturen bestehen parallel – die horizontale Landschaft und die mechanischen Linien der Brücke – und prägen gemeinsam das Sichtfeld der Durchfahrt. Der Blick auf die Landschaft ist kein freier, ungestörter Blick, sondern ein durch Infrastruktur gefiltertes Sehen. Der Moment der Durchfahrt wird zum präzisen Untersuchungsraum für diese Wechselwirkung.
Der Verzicht auf Farbe hebt die strukturellen Beziehungen hervor. Wasserflächen, Uferlinien und Himmel treten als ruhige, flächige Zonen auf, während die Brückenelemente als grafische Setzungen mit klarer Kante erscheinen. In der Abfolge entsteht ein rhythmischer Verlauf: Öffnung, Eingriff, Verschiebung, erneute Öffnung, dann wieder ein vertikaler Schnitt. Diese Rhythmik verweist auf den Ablauf des Sehens aus der Bewegung heraus, ohne ihn zu dramatisieren.
Überfahrt fügt sich in Bickels kontinuierliche Untersuchung von Landschaft als einem Raum ein, der nicht als abgeschlossene Naturform erscheint, sondern immer im Verhältnis zu menschlichen Strukturen steht. Die Serie konzentriert sich auf den Moment, in dem Landschaft im Vorübergleiten sichtbar wird und technische Eingriffe nicht als Störung, sondern als integraler Bestandteil des Wahrnehmungsgeschehens auftreten.