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Signs of Control

Chromalayer-Serie, 2025 

„Signs of Control“ arbeitet mit einem Motivtyp, der im Alltag kaum auffällt: Schilder, die Verhalten regeln. „Kein Eingang“, „Ballspielen nicht erlaubt“, „Betreten verboten“, „Notausgang“ – kurze Sätze und einzelne Worte, ergänzt um Piktogramme, Pfeile und Ortsangaben wie Wyk oder Sylt. Es sind Texte, die nicht zur Interpretation gedacht sind, sondern zur unmittelbaren Befolgung.

Die Serie greift diese Schilder fotografisch auf und unterzieht sie einem klar strukturierten Transformationsprozess. In der Chromalayer-Technik werden die Vorlagen in Farbebenen zerlegt, farblich neu interpretiert und als Schichtstruktur aufgebaut. Die Motive bleiben plan; es gibt keine „Landschaft“ hinter dem Schild, sondern Struktur, Farbe und Material.

Wichtig ist, dass das Schild nach der Bearbeitung wieder als Schild erscheint. Rahmung, Schraublöcher, Kanten und Typografie bleiben erkennbar. Zugleich ist die Umgebung in ihrer Farbigkeit überzeichnet und grafisch verdichtet. Die Hinweise wirken vertraut und sind doch aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst. Sie stehen nicht mehr konkret an einer Tür, am Deich oder auf einem Hof, sondern in einem Bildraum, der ihre Funktionalität aussetzt. Die Autorität des Textes bleibt, sein Anlass verschwindet.

Die Arbeit steht in einer Traditionslinie von Kunst, die mit Sprache im Bild arbeitet: von der Konzept- und Textkunst der 1960er und 1970er Jahre – etwa bei Jenny Holzer oder Barbara Kruger – bis hin zu fotografischen Serien, die Beschilderung und Infrastruktur als Bestandteil gesellschaftlicher Ordnung untersuchen. Ein Einfluss aus einer frühen künstlerischen Förderung durch Gerhard Winner zeigt sich in der konstruktiven, seriellen Behandlung der Zeichen. Zugleich gibt es eine Nähe zur dokumentarischen Fotografie von Schildern und Schriftzügen, die hier jedoch nicht im dokumentarischen, sondern im konstruktiven Sinn weitergeführt wird: Nicht das Auffinden, sondern das Neuaufbauen der Zeichen steht im Zentrum.

Die Serie zeigt eine Grammatik der Steuerung: Verbote, Warnungen, Instruktionen. Fast alle Tafeln sprechen im Imperativ, vermeiden Ich- oder Wir-Formen und verwenden eine sachliche, funktionale Typografie. Begriffe wie „Schutzdeich“, „Hafengebiet“ oder Formulierungen wie „Betreten auf eigene Gefahr“ markieren konkrete Situationen. Die Bilder legen frei, dass diese Sprache nicht neutral ist, sondern wirksam: Sie definiert, wer sich wie wo bewegen darf.

Viele der Schilder stammen aus einem konkreten regionalen Umfeld und tragen Spuren davon – durch Ortsangaben wie Wyk oder Sylt sowie einzelne Hinweise auf lokale Nutzungssituationen. Dieser Aspekt öffnet eine zweite Leseschicht: Für Betrachterinnen und Betrachter, die den Ort kennen, entstehen Momente des Wiedererkennens oder Vermutens.

„Signs of Control“ untersucht Beschilderung als Schnittstelle zwischen Text, Raum und Verhalten. Die Arbeiten dokumentieren nicht einfach vorhandene Schilder, sondern verhandeln ihre Funktionsweise im Bild. Der Druck auf weiß beschichtetem Aluminium, die Verdichtung der Farben und das Festhalten an der Form des Schildes machen sichtbar, wie ästhetisch präzise diese funktionalen Gegenstände gestaltet sind. Was im Alltag als nüchterne Information erscheint, zeigt sich hier als gestaltete Oberfläche, die Verhalten steuert.