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Nicht warten, bis es passt

Erst mal raus, Tasche halb offen, Haare noch feucht.
Die Stadt klebt schon am Morgen, ich kleb kurz zurück.
Unten fährt irgendwas los, ich bin noch nicht fertig.
Macht nichts, macht nichts, ich komm so mit.

Ein Schild blinkt falsch, ein Scooter liegt quer.
Die Luft schmeckt warm, die Ampel wird blau.
Ich geh zu schnell, nie wieder langsam.
Mein Herz macht Lärm, mein Gesicht bleibt treu.
Alles heute, alles jetzt, alles zu viel, alles geht.

Da steht die Frau mit ihrem Bier,
ein Junge tritt gegen den Scooter,
im Bus fällt eine Tasche um, keiner hebt sie auf.
Ich will gar nichts, ich will weiter,
ich will rein in mein wildes Leben,
bevor es so tut, als hätte es wieder keine Lust.

Ich nehme den Tag, bevor er nett wird.
Ich nehme den Tag, bevor er fragt.
Ich nehme den Tag, bevor er weiß,
was er mit mir machen darf.

Alles ist ein bisschen zu laut, trotzdem nicht laut genug.
Ein Fenster geht auf, ein Hund bellt dreimal,
ein Fahrrad streift fast meinen Arm.
Ich lache zu spät, ich lache allein, ich lache trotzdem,
weil an diesem Tag nichts wartet und ich auch nicht.

Nah an der Sonne, nah an der Kante,
nah an dem Moment, der gleich kippt.
Nah an der Sonne, nah an der Kante,
nah an dem Moment, und ich bleib drin.

Ich setze mich auf eine warme Mauer, nur kurz, 
dann stehe ich wieder auf, weil Sitzen heute Aufgeben ist.
Aber egal, ich entscheide das nicht sauber,
ich entscheide überhaupt nichts sauber.
Ich mache einfach weiter, immer so halb falsch.

Bleib mir vom Leib, weil ich weg will, weil ich Platz brauch.
Mein Herz läuft offen, weil ich Platz brauch.

Links riecht es nach Regen auf heißem Stein,
rechts trägt der alte Mann einen Spiegel durch die Tür.
Ich sehe mein Gesicht darin: nicht schlecht, nicht gut, lebendig.
Als könnte ich heute alles falsch machen
und trotzdem nicht verlieren.

Nicht warten, bis es passt.
Nicht warten, bis es schön wird.
Nicht warten, bis jemand nickt.
Nicht warten, nicht warten.

Ich bin schon da.

Harald Bickel