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Einfach da

Der Aufzug riecht nach Sommer, ich drücke keinen Knopf.
Jemand hat den Spiegel berührt, ich sehe die Spuren.
Mein Gesicht steht daneben, es hat Zeit.
Ich bleibe drin, die Türen entscheiden.

Heute ist alles ein bisschen geliehen:
die Treppe, der Wind, die fremden Balkone.
Ein Vogel schreit falsch, die Luft ist weich.
Ich hab das bestellt, ich hab das bestellt.

Ich komme an einer Baustelle vorbei.
Da steht ein Stuhl im Staub, 
ganz allein, ganz normal.
Er war mal wichtig. 

Ich sehe ihn an, viel zu lang.
Irgendwo stehen, keiner fragt, 
ich muss nicht passen, ich bin einfach da.

Eine alte Frau trägt Blumen nach Hause.
Die Blumen sehen welker aus als sie.
Ich laufe hinterher, nicht wegen ihr, nicht wegen der Blumen.
Die Straße will das heute so.

Links ein Fenster, rechts ein Scooter, oben ein Flugzeug.
Mein Schuh ist offen, ich binde ihn nicht.

Der Tag geht durch mich durch,
schön, nicht schlimm, leise und falsch.
Ein Wort liegt mir quer im Mund,
mein Atem kommt spät.

Mein Körper merkt mehr als ich.
Mein Körper macht weiter, immer nur weiter.
Ich bleibe weich, 
etwas gibt nach.

Am Kiosk hängt ein Ballon im Schatten.
Er bewegt sich kaum, aber genug.
Ich sehe ihm lange zu. Ich zwinge ihn zu fliegen.
Ich habe verloren, ich halte nichts fest.

Der Boden ist zu kurz, er könnte woanders hin.
Nicht mit mir, nicht gegen mich, einfach so.
Alles wird müde vom Geradeaus.
Ich muss nicht passen, ich bin einfach da.
Nicht richtig, nicht falsch, einfach da.

Der Aufzug kommt wieder nach oben,
ohne mich.

Harald Bickel