Barfuß auf Bitumen
Barfuß auf Bitumen, dumm genug.
Die Sonne frisst mir die Knie hell.
Ich lache zu spät, ich lache trotzdem.
Jemand ruft von unten, egal.
Heiß, heiß heißt nicht Sommer, heiß heißt, ich hör nicht auf.
Kein Schatten passt, kein Mund ruft leise.
Alle zu nah an der Kante, alle lachen nicht normal.
Ich nicht, ich nicht heute.
Die Stadt liegt auf dem Rücken und stellt sich tot.
Die Fenster blenden weiß, die Luft hat keine Blätter.
Kein Grün, nur Dachhaut, Staub und tiefes Surren.
Kein Grün, nur Hitze, nur Hitze ohne Pause.
Ich stehe oben, alles wird heller, nicht schön,
hell wie blankes Metall, hell wie Fehler.
Die Sonne kommt näher, der Boden kommt hoch.
Ich schwitze in meinen eigenen Gedanken.
Irgendwo quietscht ein Getriebe, eine Klimaanlage,
als könnte sie alles klären.
Noch heißer, noch heißer, noch heißer.
Nicht Sommer, nicht Spaß, nicht nur heute.
Ein Körper rennt, ein Körper fällt fast.
Ein Körper lacht, ein Körper will mehr.
Nackte Schultern, harte Luft.
Weiche Knie, keiner geht runter.
Immer weiter, weiter wird gebaut an diesem heißen Loch.
Glas, Stahl, Beton und Asphalt, Licht die ganze Nacht.
Du nennst es Stadt, du nennst es Leben, du nennst es normal
und denkst, es war schon immer so.
Heißes Grab, aber hübsch beleuchtet.
Heißes Grab, aber guter Ausblick.
Heißes Grab, aber alle bleiben.
Kein Grün auf der Zunge, kein Grün in der Luft.
Kein Grün zwischen den Häusern, nur Sommer mit Zähnen.
Ich will Wasser, ich will Wind, ich will irgendwas,
irgendwas, das mich nicht frisst.
Unten klebt der Verkehr in den Straßen, oben kleben die Körper an der Nacht.
Alles will sich berühren, alles will gewinnen,
alles will vergessen, dass es heißer wird, immer heißer.
Und trotzdem drehen wir noch auf, als wäre Feuer nur Licht.
Komm nicht sanft, komm nicht brav.
Komm nicht mit Regeln, heute brennt alles falsch.
Ich will nicht ruhig sein, ich will nicht kühl sein.
Ich will nicht passen, ich will für immer leben.
Noch heißer, noch heißer.
Nicht Sommer, nicht Spaß, nicht nur heute.
Noch heißer, noch heißer.
Die Dächer atmen schlecht, die Stadt atmet schlechter.
Ich atme mit, ich atme dagegen.
Zu wenig Luft, zu viel Himmel,
zu wenig Morgen, zu viel Jetzt.
Heißes Dach, aber guter Ausblick.
Ich lache.
Harald Bickel